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Pirmin Planer - sechs Monate Südafrika. Erlebnis pur!

... auch andere Gruppen aus Organisationen, die sich mit Jugendlichen beschäftigen, die Probleme in ihren Familien haben oder Gruppen, die vorbeugende Programme gegen Straftaten anbieten. Diese Camps finden an den Wochenenden statt und sind vergleichbar mit Ausflügen in Schullandheime hier bei uns in Deutschland. Da Südafrika eine unglaubliche Tier- als auch Pflanzenvielfalt hat und das Camp in einem Naturreservat liegt, lag das Hauptinteresse der Besucher darin, etwas über die Natur zu lernen. Das Ganze lief glücklicherweise nicht wie in der Schule ab, sondern die Natur wurde bei Wanderungen und Bootsfahrten hautnah erlebt. Auf diese Weise erlebten die Jugendlichen viele Dinge, die einer Erklärung bedurften. Obwohl die Kids in dieser Umgebung zu Hause sind, wissen die meisten nicht sehr viel über die südafrikanische Tier- und Pflanzenwelt. Natürlich musste ich am Anfang meiner Zeit immer aufmerksam zuhören, um auch noch sehr viel zu lernen, um so nach einer Weile bei den Erklärungen helfen zu können. Am coolsten fand ich den Vortrag über die Schlangen. Im Camp leben drei Schlangen in Terrarien. Sie wurden eine nach der anderen den Gruppen vorgeführt und ihre Lebensweise erklärt, während sie sich um und auf meine Arme schlängelten. Wer sich von den Jugendlichen traute, durfte sie auch auf den Arm nehmen. Aber keine Angst, es waren nur (eher kleinere) Würgeschlangen. Neben dem lehrenden Aspekt, ist natürlich auch immer der Faktor „Spaß“ ganz wichtig während solcher Ausflüge. Dazu werden zwischen den Naturexkursionen sehr viele Spiele gemacht. Aber natürlich verfolgen auch die Spiele ein Ziel: Teamwork! In jedem Spiel war es nur möglich gut zu sein, wenn die Gruppe als Team zusammen gearbeitet hat. Das Highlight eines jeden Camps war das „Dragonboating“: 25 Leute sitzen in einem Riesenkanu und versuchen in eine Richtung zu paddeln. Nach einer gewissen Zeit war das die Aktivität, die ich angeleitet habe. Zuerst heißt es an Land Trockenübungen zu probieren und klar zu machen, dass man sich nur als Team fortbewegen kann. Danach geht’s mit mir als Steuermann ins Boot. Und so ein Boot ist lang.... Von diesem Trip waren immer alle absolut begeistert! Zurück an Land hatte ich kaum noch eine Stimme, da man als Steuermann den Rhythmus, in dem gepaddelt werden soll, vorgeben muss. Aber meine eigene Freude, nur in strahlende Gesichter zu gucken, hat das wieder wettgemacht. Dragonboating ist etwas, das die Jugendlichen in den allermeisten Fällen noch nie gemacht haben und sonst auch keine Chance dazu haben, so etwas zu machen.

Der andere Teil, der in meiner Verantwortung lag, war der Frühsport. Um 7:00 Uhr heißt es, fertig am See zu stehen und die Kids eine Runde „zu quälen“. Meist begannen wir mit einer kleinen Joggingrunde und danach folgten einige Kräftigungsübungen wie Liegestützen, Sit-Ups, Kniebeugen, usw. Es haben zwar immer alle gemeckert und sich beschwert, aber als es dann direkt danach um 8:00 Uhr Frühstück gab waren die meisten eigentlich ganz glücklich.

Gespickt mit so vielen Aktivitäten geht ein Wochenende dann auch schnell vorbei. Und es ist wirklich toll zu beobachten und zu hören, wie sich die Einstellung der Kinder während eines Wochenendes verändert. Freitags kommen viele oft mit der Einstellung an, die Zeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen und wirklich wenige haben Lust auf das Ganze. Aber am Sonntag will dann niemand gerne wieder nach Hause fahren. Einmal hat ein Junge zu mir gesagt: „Ist es wirklich schon Sonntag? Ich will noch nicht nach Hause! Können wir nicht noch bleiben?“ Das machte mich wiederum wirklich glücklich und zeigte, dass wir alles richtig gemacht hatten! Generell hat mich beeindruckt, dass die Jugendlich dort anders drauf sind, als hier in Deutschland. Sie sind viel lockerer und haben einfach viel mehr Spaß untereinander, ohne dass man ihnen irgendwas geben oder zeigen muss. Es wird eigentlich permanent gesungen und getanzt und so war dann die Talentshow an den Samstagabenden ein weiteres echtes Highlight. Da konnte ich echt was von den südafrikanischen Jugendlichen lernen! Ich habe die Zeit dort wirklich genossen und vieles gelernt.

Die letzten 2 Monate habe ich dann in der absoluten Wildnis, im Norden Südafrikas (sehr nah zur Grenze von Botswana) verbracht. Der nächste größere Ort zum Einkaufen war eine Auto-Stunde von unserem Wildhüter-Camp entfernt. Trotz der abgelegenen Lage gab es trotzdem Strom, Wasser und Handyempfang. Das Camp liegt auf einer 1600 Hektar großen Farm und alle freiwilligen Helfer (Meist ca. fünf) leben zusammen in zwei Hütten. Das Highlight lag ganz klar in der Bademöglichkeit im Pool auf dem Camp Gelände, da es in Südafrika im Dezember/Januar Hochsommer ist und mindestens so heiß wird wie bei uns im Juli. In diesem Projekt ging es um den Schutz von Nashörnern vor Wilderei. Südafrika ist das Land mit der größten verbliebenen Population von Nashörnern und damit ein attraktiver Ort für die kriminellen Machenschaften von Wilderern, die in Reservate und Farmen einbrechen, die Nashörner aufspüren, sie erschießen und ihnen dann die Hörner abschlagen. Die Hörner werden dann nach Asien geschmuggelt, da dort der Aberglaube herrscht, gemahlenes Nashorn hätte eine potenzsteigernde und heilende Wirkung. Da mittlerweile für die Hörner das Dreifache des Goldpreises (pro Kg) bezahlt werden, ist das für die Wilderer ein sehr lohnendes Geschäft. Das Resultat dieses Handels ist, dass Nashörner dermaßen bedroht sind, dass sie in wenigen Jahren ausgestorben sein werden, wenn es nicht gelingt, die Wilderei zu stoppen.

Bevor ich dorthin gekommen bin war mir zwar bewusst, dass Wilderei generell ein Problem ist. Die Dramatik wurde mir allerdings erst richtig bewusst, als wir auf einer Nachbarfarm drei tote, gewilderte Nashörner gefunden haben. In diesem Moment, in dem ich vor diesen unglaublich eindrucksvollen und hübschen Tieren stand, die ich am Tag vorher noch herumlaufen sah und die dann auf einmal tot dalagen, blutüberströmt, wurde mir sehr bewusst, wie grausam und idiotisch die Wilderei tatsächlich ist. So habe ich sehr schnell den Sinn des Projekts verstanden:

Dadurch, dass die Zäune zu den Straßen kontrolliert und die Nashörner täglich mittels eines Senders, den sie tragen gesichtet werden, wird Präsenz gezeigt, was Wilderer abschrecken soll. Das ist vor allem an den Wochenenden wichtig, wenn niemand anderes auf der Farm arbeitet und dies die gefährlichste Zeit für die Tiere ist. Da Wilderer, bevor sie in eine Farm eindringen, die Gewohnheiten der dort lebenden Menschen auskundschaften, ist solch eine Routine der Ranger natürlich abschreckend, da das Risiko entdeckt zu werden wesentlich höher ist. Selbst wenn ein Wilderer es schaffen sollte, ein Nashorn zu töten, hätten wir das höchstens acht Stunden später bemerkt, wenn wir das tote Tier gefunden hätten. Diese kurze Zeit in einem Riesenland wie Afrika steigert die Chancen extrem, die Wilderer zu erwischen. Denn eine 1600 Hektar große Farm ist zu Fuß nicht ganz schnell zu durchqueren. Und so gab es glücklicherweise auf dieser Farm auch kein gewildertes Nashorn seit August letzten Jahres, in dem das Projekt erst richtig startete.

Mit den Kontrollfahrten und dem Beobachten der Tiere liefen die Tage dort sehr schnell dahin. Morgens hieß es immer um 5:00 Uhr aufstehen und um 5:30 Uhr ging es dann los auf Tour. Zwischen 10:00 und 10:30 Uhr waren wir zurück im Camp zur Mittagspause und von 16:00 bis 20:00 Uhr ging es dann in die zweite Runde. Da es keinen ganzen freien Tag gab waren die Tage zwar immer gut gefüllt, aber auch sehr abwechslungsreich und die Zeit flog leider nur so dahin. Deshalb habe ich dann auch eine Woche vor der ursprünglich geplanten Abreise entschieden, dass ich noch 2 Wochen länger bleibe. Leider war diese Zeit das Maximum, das mit meinem Visum möglich war.

So war meine Reise ins südliche Afrika dann am 13. April zu Ende und es ging zurück in die Heimat. Zurückblickend lässt sich festhalten, dass die Zeit dort unten die bislang beste Zeit meines Lebens war! Ich habe so viele unglaublich wichtige Erfahrungen gesammelt und Dinge über mich gelernt, die ich ohne die Zeit dort vermutlich niemals herausgefunden oder erlebt hätte. Deswegen rate ich auch allen, die mit dem Gedanken spielen eine Zeit ins Ausland zu gehen: Macht es! Ihr werdet es nicht bereuen! Es wird zwar vermutlich so sein, dass ihr die ersten Nächte im Bett liegt und euch einfach nur einsam fühlt und euch wünscht, dass die Zeit so schnell wie möglich rum geht. Aber dieses Gefühl hält nur ein paar Tage und im besten Falle möchtet Ihr am Ende nicht mehr von dort weg! Und ich werde garantiert wieder Süd Afrika unsicher machen. Am liebsten schon ganz bald....

Weitere Fotos:

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